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In den Köpfen

100 Geheimnisse für 100 Jahre

3 mal 100 Fotografien (25x46 cm), 100 Geheimbriefe, 1 Aufbewahrungskiste, 2 Zeittafeln

In Schule und Internat des Bundesnachrichtendienstes wurden für 100 Jahre 100 Geheimnisse implantiert.

Ein Geheimnis ist ein Geheimnis, so lange es im Verborgenen bleibt. Der einzig sichere Ort, um ein Geheimnis zu verbergen, ist der Kopf. Sobald es den Kopf verlässt, ausgesprochen oder hingeschrieben wird, hört das Geheimnis auf zu sein. Es mutiert zur Information, deren Inhalt verschiedenste Färbungen hat: Er kann gefährlich, rührend, beängstigend, traurig, erstaunlich, bewegend, erschütternd, kurios oder beglückend sein.

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In der Schule der Nachrichtendienste werden Menschen ausgebildet, die sich schwerpunktmäßig mit dem Auffinden von Geheimem und dessen Aufklärung  befassen. Die Geschwindigkeit, mit der diese Aufklärung erfolgen sollte, spielt eine wesentliche Rolle.

Die künstlerische Intervention sieht vor an diesem Ort Geheimnisse zu implantieren, die nicht aufgeklärt werden können. Jedenfalls nicht, so lange wir alle leben. Die 100 Geheimnisträger, welche die Eingänge der Schule und des Internates bevölkern, behalten ihre Geheimnisse für 100 Jahre für sich. Erst in 100 Jahren, wenn keiner der Geheimnisträger mehr am Leben ist und auch wir nicht, die dieses Projekt initiiert haben, werden die Geheimnisse preisgegeben und öffentlich gemacht.

Im Rahmen dieses  Projektes werden 100 Geheimnisse gesammelt. Menschen werden gebeten, ihr ganz persönliches Geheimnis, welches nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken sollte, aufzuschreiben. Ein Notariat wird die Dokumente sammeln und sie dem Deutschen historischen Museum zu übergeben. Dort werden sie für 100 Jahre gelagert. Die Abbildungen der Geheimnisträger-Köpfe (Gesicht mit offenen Augen) werden dem Dokument beigelegt. Die Abbildungen der Hinterköpfe der Geheimnisträger und deren Gesichter mit geschlossenen  Augen werden ausgestellt. Jeweils 100 Fotos zeigen in den Eingängen von Schule und Internat die 100 Geheimnishorte. Aber die Geheimnisse verlieren durch die Zeit an Kraft. Die Metamorphose findet also in einem langen Zeitraum statt. Sichtbares Zeichen der allmählichen Entpuppung ist das im Prozess kaum nachvollziehbare und doch irgendwann sichtbare Verblassen der Bilder, und eine Jahr um Jahr sich verändernde Anzeigetafel, welche die Jahre rückwärts zählt.

In 100 Jahren wird dieses Projekt abgeschlossen sein. Wie wird dieser Abschluss aussehen? Wir können ein Ereignis, welches in 100 Jahren stattfindet, nicht planen. Ein wesentlicher Aspekt dieser künstlerischen Idee ist daher die Unplanbarkeit in diesem großen Zeitrahmen. 100 Jahre sind in der Geschichte der Welt ein winziger Zeitabschnitt. Für uns ist es ein nicht verhandelbarer Zeitraum. Es bleibt daher nur die Bitte. Die Bitte an das deutsche historische Museum, welches die Dokumente verwahrt, das Projekt folgendermaßen abzuschließen: Ab dem 21.9.2112 kann das Behältnis, in dem die Dokumente verwahrt wurden, geöffnet werden. Dieses Material soll anschließend mit den anderen Abbildungen  für einen kurzen Zeitraum auszustellen werden. Auf diese Weise werden die Ausstellungsbesucher erfahren, was in diesen 100 Köpfen vor 100 Jahren für Geheimnisse verwahrt wurden.