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Zeitzeichen

Zeitarbeiten auf einer Großbaustelle

 Gerlingen,1996

 

Diverse Materialen, wie Quarzsand, Beton, Acrylfarbe, Licht/Toninstallationen, etc.

In einer riesigen Baugrube, in welcher S-Bahnhof, Tiefgarage, altenheim und Bibliothek gleichzeitig entstanden, wurden anlässlich der Grundsteinlegung der Stadtbücherei an verschiedenen Stellen der Baugrube Kunsteingriffe vorgenommen.

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Aus einem riesigen, hängenden Stofftrichter rieselte 92 Minuten weißer Quarzsand und formte es formte sich so ein Sandkegel. Das Objekt erinnerte an eine überdimensional große  Sanduhr, 92 Minuten  verrinnende Zeit sichtbar machend. Worte – auf Bausprieße geschrieben – blieben für Tage, bis sie verschwanden, um an anderen Baustellen neu aufgebaut zu werden, Installationsrohre oder Betonwände verdeckten Schriftzüge auf Baugrubenwänden.

Das Entstehen und Vergehen der Kunsteingriffe war Teil der gesamten Arbeit. Die temporären Interventionen wurden zu einer Allegorie der Zeit.

Nur wenige Installationen wurden vom Fortschreiten der Baustelle bewahrt: Tiefgarage und Stadtbahnhaltestelle verbindet ein langer Gang. Die in der Baugrube bereits betonierten Wände wurden nicht weiter verkleidet. So konnte der Kunsteingriff überdauern: In Augenhöhe verlaufen auf beiden den Gang begrenzenden Wänden Spiegelbänder aus Edelstahl. Auf diesen Bändern  sind Sentenzen über die Zeit zu  lesen. Der Leser mit seinem eigenen Blick konfrontiert. Er wird so selbst Bestandteil der Worte und gleichzeitig zum Zeugen seiner Auseinandersetzung mit der Zeit. Zum Zeitpunkt der Grundsteinlegung der Stadtbücherei standen bereits ein Großteil der betonierten Außenwände. Als die Wände später weiß gestrichen wurden, sparte man  Beschriftungen, die im Rahmen der Kunsteingriffe  auf die Rohbauwände aufgebracht wurden, aus. Sie dienen heute der Orientierung. Auf das Nummerieren der Parkplätze hat man verzichtet. Die Ortsnamen die heute noch zu lesen sind, erinnern an die Geburtsstätten derer, die hier auf dem  Bau gearbeitet haben: Handwerker, Bauarbeiter, Architekten, Bauherren.  Sie alle hinterließen ihre Spuren auf dem Bau. Es sind Lebensspuren, zurückverfolgt bis zum Ort ihrer Geburt. Die reale Zeit und der reale Raum der Tiefgarage wird überlagert mit Zeiten und Orten weit weg.